Nicht jeder Lauf muss auf Strava landen

Schon seit einigen Jahren wissen wir, dass uns Social Media (wenn man es denn nutzt) mehr beeinflusst, als uns lieb ist. Wenn ich Fotos vom perfekten Strandurlaub sehe, kommt mir der graue Dienstag im Oktober gleich noch trister vor, sehe ich Videos von einem fancy Städtetrip fühlt sich mein Alltag wirklich nur noch langweilig an und wenn ich dann auch noch Aufnahmen von in Gesellschaft verbrachten Wochenenden sehe, nagt mein schlechtes Gewissen gleich noch stärker an mir, weil ich eventuell das gesamte Wochenende nur damit verbracht habe, allein daheim zu sein.
Nun fällt mir seit einiger Zeit auf, dass Postings rund um Sport mittlerweile den gleichen Effekt – zumindest bei mir – erzielen. Sehe ich die Strava Aufzeichnungen von einem „lockeren shake out run“ bekomme ich beim Gedanken an die angezeigte Pace pro Kilometer schon Seitenstechen, sehe ich in welch superstylishe Outfits sich momentan gefühlt alle während des Sport werfen, blicke ich ein wenig fassungslos auf meine ausgebleichten Shirts und Shorts, die jedoch nach wie vor ihrem Zweck dienen und überhaupt habe ich das Gefühl, dass es selbst im Laiensport nur mehr darum geht fantastische Leistungen zu erzielen und diese dann auch noch online zu teilen.
Natürlich finde ich es super wenn sich die Menschheit bewegt, auf ihre Gesundheit achtet und das auch noch gerne teilt, aber bitte – kommen wir wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und feiern einen Spaziergang nach einem langen Bürotag, den 3-Kilometer-Lauf mit Seitenstechen an einem verregneten Sonntag und auch die Yoga-Einheit zu Hause vor dem Fernseher in abgetragener Sportkleidung mindestens genauso sehr wie die perfekten Leistungen auf Instagram & Co. Ich glaube dies wird nicht nur mir und meinem Selbstwert guttun, sondern uns allen, Danke.
Hanna Prumofsky, DSG Vorstandsmitglied