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Inhalt:
03.06.2026

Der selbstlose Helfer

Als historischer Erfolg wird der zweite Platz von Felix Gall beim Giro d’Italia gefeiert. Erst einmal zuvor fuhr ein Österreicher bei einer der ganz großen internationalen Radrundfahrten aufs Podest – Adolf Christian wurde bei der Tour de France Dritter. Und das ist immerhin bereits 69 Jahre her. 

Die Leistung des Osttirolers, der sich nur dem Favoriten Jonas Vingegaard geschlagen geben musste, ist zweifellos eine Sternstunde für den österreichischen Radsport, die völlig zu Recht entsprechend bejubelt und gewürdigt wurde.

Weit weniger im Licht der Aufmerksamkeit stand hingegen ein zweiter Österreicher, der an diesem Erfolg einen fast ebenso großen Anteil hatte: Gregor Mühlberger, der Teamkollege, Trainingspartner und Freund von Felix Gall. Auch wenn in der Ergebnisliste die Namen einzelner Athleten stehen, ist Radfahren ein Teamsport. Um einen Spitzenplatz kämpfen kann nur, wer ein starkes Team an seiner Seite hat. Da geht es darum, den Kapitän in eine gute Position zu bringen, die schärfsten Konkurrenten im Auge zu behalten und in entscheidenden Phasen den Teamleader im Windschatten mitzuziehen. Gall zeigte sich „extrem glücklich“, dass Mühlberger nun in seinem Team ist: „Einen Freund als Helfer und Zimmerkollegen zu haben, ist von unglaublichem Wert.“

Doch der Helfer muss dafür eigene Ambitionen hintanstellen. Mühlberger schätzte sich stark genug ein, um beim Giro selbst in die Top-Ten zu fahren. Doch er fügte in einem Interview hinzu: „Aber wenn man einen Leader hat wie Felix, der in Rom auf dem Podest stehen kann, ist die Motivation um ein Vielfaches höher, ihn zu unterstützen und alles für ihn zu geben.“ Es würde ihn viel glücklicher machen, seinen Freund am Podium zu sehen, als für sich selbst die optimale Platzierung herauszufahren. Er werde für ihn alles geben und sich „Leib und Seele aus dem Körper hauen“. Geteiltes Glück ist doppeltes Glück.

Jesus sagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13) Im Spitzensport ist der Ehrgeiz eine Tugend, ohne die man nicht weit kommt. Umso schöner ist es, wenn sie sich nicht zu einem überdimensionalen Ego auswächst, wie es bei Topstars oft zu beobachten ist, sondern sich mit der Fähigkeit zur Hingabe an andere verbindet. Sie macht die wahre Größe des Menschseins aus – auch wenn Gregor Mühlberger vielleicht keine Erwähnung in den Geschichtsbüchern des Radsports findet. Dafür ist ihm eine tief empfundene Freude gewiss. Denn Jesus fügt seiner Ermutigung zur Freundesliebe hinzu: „Dies habe ich euch gesagt, damit … eure Freude vollkommen wird.“ (Joh 15,11)

Alfred Jokesch, Sportseelsorger DSG Steiermark

Wie denken Sie darüber? Welche Erfahrungen haben Sie persönlich gemacht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

alfred.jokesch@graz-seckau.at    oder:   sportsgeist@dsg.at

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