Eine Offensive der Menschlichkeit

Endlich hat nun der Fußball das Wort. Hierzulande ist die Euphorie groß und die Erwartungen an das Team um Ralf Rangnick sind hoch. Viele trauen dieser Mannschaft, die sich als eingeschworene Gemeinschaft präsentiert, Großes zu.
Für sie ist das Turnier die Zeit der Ernte nach einer langen Vorbereitung, dort kann der Lohn für viele Strapazen eingefahren werden. Unsere Spieler haben ihm mit großer Freude entgegengefiebert. Müde und erschöpft werden hingegen viele sein, wenn nach 104 Spielen in sechs Wochen der neue Weltmeister gekürt wird.
Eine große Ernte wartet auch auf das „Team Himmelreich“, für das Jesus im Evangelium des kommenden Sonntags (Mt 9,36 – 10,8) seine Mannschaftsaufstellung bekanntgibt. Sie mag viele verwundern, immerhin finden sich darin kaum „Profis“ in religiösen Belangen, sondern vornehmlich Fischer und Zöllner aus der „Regionalliga“ in Galiläa. Jesus setzt auf gute Netzwerker, die fest im Leben stehen und mit Stürmen zurechtkommen. Er schickt sie mit einer klaren Taktik los: Geht den Verlorenen nach und startet eine Offensive der Menschlichkeit, die heilsam ist, aufleben lässt, integriert und verbindet.
Papst Leo XIV. weist in einer Videobotschaft zum Beginn der Weltmeisterschaft darauf hin, dass die „universelle Sprache des Sports“ für Sportler, Trainer und Fans stets „eine Schule der Geschwisterlichkeit statt leerer Rivalität“ ist und einen „Weg des Friedens“ aufzeigt: „In Zeiten von Krieg und extremer Polarisierung ist der Sport eines der wenigen Dinge, die uns einander näherbringen.“
Bei seiner Spanienreise ermutigte Leo zum „Knüpfen neuer Netze“ mit dem Ziel einer erneuerten Gesellschaft. Gerade Sportler würden lehren, „zu verlieren, ohne zu hassen, zu gewinnen, ohne zu demütigen, und nach einem Sturz wieder aufzustehen“. Viele Menschen hätten Respekt vor dem Gegner eher auf dem Spielfeld gelernt als durch Vorträge. Dadurch komme dem Sport eine wichtige gesellschaftliche Rolle zu. Im berühmten Bernabéu-Stadion, der Heimstätte von Real Madrid, feierte der Papst mit 80.000 Gläubigen und warb um „Einheit in der Vielfalt“. Möge auch in den WM-Stadien dieser verbindende Geist spürbar werden, damit die Taktik Jesu real wird.
Alfred Jokesch, Sportseelsorger DSG Steiermark
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