Passen oder verpassen

Der Fußball zeige uns: „Das Leben ist kein Wettlauf, um sich allein zu profilieren, sondern ein Weg, den wir gemeinsam gehen lernen.“ Wer nicht mit anderen und für andere leben könne, habe auch das Wesen des Lebens nicht verstanden.
Oft ärgere ich mich – als Zuschauer ebenso wie als Spieler –, wenn einer zu „ballverliebt“ ist und so lange dribbelt, bis er ihn verliert, wenn er den richtigen Zeitpunkt verpasst, den Ball an einen Mitspieler abzugeben. Denn alleine kann nicht einmal ein Messi oder Ronaldo ein Spiel gewinnen. Ein überraschender Pass durch die Linien der Verteidigung, ein genialer Doppelpass oder ein mit viel Übersicht gespielter Wechselpass hingegen lässt mein Herz höher schlagen. Dadurch tun sich neue Räume auf, oft auch ein ungeahnt sich auftuender Weg zum Tor.
Der Ball ist ein schönes Bild für das Leben. Der Ball hat auch eine Seele (so nennt sich die mit Luft gefüllte Gummiblase in seinem Inneren) und neuerdings sogar Empfindungen (die WM-Bälle sind mit Sensoren und Mikrochips ausgestattet, die alle Bewegungsdaten übermitteln). Der Sinn des Fußballspiels liegt nicht darin, den Ball festzuhalten und zu besitzen, sondern darin, ihn mit anderen zu teilen und viele ins Spiel einzubeziehen. Um ein Tor zu erzielen, muss ich ihn loslassen und abgeben. So können wir auch die Aussage Jesu verstehen: Wer sein Leben liebt / retten will / behalten will (je nach Übersetzung), wird es verlieren. Wer es aber verliert / abgibt / loslässt, wird es gewinnen. (vgl. Lk 17,33)
Davon können wir für viele Lebensbereiche lernen. Indem wir die unterschiedlichen Fertigkeiten der einzelnen zur Geltung bringen und den Drang, alles selbst zu schaffen und unter Kontrolle zu behalten, loslassen, kann das Zusammenspiel gelingen. Dann wird das Leben zu einer runden Sache. Wer aber nicht passen kann, verpasst das Leben.
Alfred Jokesch, Sportseelsorger DSG Steiermark
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