Der Kopfstoß und der lächelnde Kylian

Beim WM-Finale 2006 zwischen Frankreich und Italien stieß Zinédine Zidane wütend mit dem Kopf gegen die Brust seines Gegenspielers Marco Materazzi, der ihn davor unaufhörlich provoziert und beleidigt hatte. Zidane erhielt die Rote Karte – Italien wurde Weltmeister. Es war der unrühmliche Schlusspunkt einer herausragenden Sportlerkarriere.
Derartige Provokationen und Gehässigkeiten, überhartes Foulspiel und andere Unsportlichkeiten sind leider bei solchen bedeutenden Begegnungen „Part of the Game“. Wenn so viel auf dem Spiel steht, ist fast jedes Mittel recht, um einen Sieg einzufahren. Und im Rückblick interessiert sich kaum jemand dafür, auf welche Weise ein Erfolg errungen wurde.
Bei dieser Weltmeisterschaft war die Partie Frankreich gegen Paraguay im Achtelfinale ein Anschauungsbeispiel für solche Praktiken. Die südamerikanische Mannschaft, die davor das deutsche Team im Elfmeterschießen bezwungen hatte, zog gegen das französiche Starensemble alle Register der „psychologischen Kriegsführung“ – auch angestachelt durch einen Schiedsrichter, der damit überfordert schien und viele Tätlichkeiten durchgehen ließ.
Diesmal führte die Strategie jedoch nicht zum gewünschten Erfolg, denn Frankreich war gewappnet und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. „Wir wissen auch, wie man schmutzigen Fußball spielt“, erklärte Kylian Mbappe, der Kapitän der Équipe Tricolore. Er hat auf seine Weise reagiert und nicht Gleiches mit Gleichem vergolten, sondern auf die unfairen Attacken stets mit einem Lächeln reagiert.
In der Bergpredigt fragt Jesus: „Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten?“ (Mt 5,46) Seine Antwort auf Hass und Gewalt ist: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“. (Mt 5,44) Die wahren Kinder Gottes zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Spirale von Rache und Vergeltung aufbrechen, dass sie – wie es Kylian Mbappe getan hat – der Feindseligkeit ein Lächeln entgegensetzen. Umso schöner, wenn dieses Verhalten auch zum Erfolg führt.
Alfred Jokesch, Sportseelsorger DSG Steiermark
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