Die Ruderer

Nicht nur ihre beherzte und mutige Spielweise hat mich begeistert, auch nicht nur die Durchschlagskraft und das Charisma eines Erling Haaland, der in jeder Hinsicht das Idealbild eines Wikingers verkörpert, sondern ganz besonders die eindrucksvolle Fan-Inszenierung des gemeinsamen Ruderns.
Die Fans sind „der zwölfte Mann“ eines Fußballteams. Die Fans sorgen für Stimmung. Sie pushen die Mannschaft. Sie übertragen Energie auf die Spieler. Gerade in schwierigen Phasen des Spiels, wenn es gilt, zu kämpfen, wenn die Mannschaft einem Tor hinterherläuft, wenn das Momentum auf die Seite des Gegners gekippt ist, dann kann die Unterstützung von den Rängen Wunder wirken.
Das Rudern der Wikinger bringt dies wunderbar zum Ausdruck. Es knüpft an alte Mythen von Tapferkeit und Zusammenhalt an. Die Bewegungen und Kraftaufwendungen der einzelnen verbinden sich zu einem einzigen großen Organismus. Viele Hände, die in dieselbe Richtung ziehen, können ungeahnte Kräfte entfalten. Sie können Stürme, Wellengang und Strömungen überwinden. Mitunter hatte ich den Eindruck, die tausenden Fans auf der Tribüne würden durch ihr Rudern das ganze Stadion von der Stelle bewegen. Und das völlig ohne Aggression oder Feindseligkeiten, wie sie leider oft von Fußballanhängern ausgehen, sondern durch ganz und gar positive Emotionen. Auch das kann Fußball.
Aber das Bild lässt sich auch auf andere Kontexte übertragen: Wenn ich allein kämpfe, verliere ich schnell die Kraft und den Mut. Wenn jeder in eine andere Richtung rudert, dreht sich das Boot im Kreis und kommt nicht vom Fleck. Spüre ich aber, dass ich eingebettet bin in eine große Gemeinschaft, dann bekommt das Leben einen kräftigen Schub. Wenn sich viele auf einen gemeinsamen Rhythmus verständigen oder in die gleiche Melodie einstimmen, dann entwickelt es Kraft und es kommt etwas in Bewegung. Spüre ich zudem, dass ich gehalten bin in der Liebe Gottes, dass Gottes Geist mich durchfließt und stärkt, dann kann ich Ozeane überqueren.
Alfred Jokesch, Sportseelsorger DSG Steiermark
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